Salonstreitgespräch

9. Salonstreitgespräch - Gerechtigkeit zwischen den Generationen

Wie tragfähig ist unser auf Solidarität zwischen den Generationen basierendes Rentensystem? Diese Frage wird immer drängender, droht doch durch den demografischen Wandel die Balance zwischen Erwerbstätigen und Rentenempfängern verloren zu gehen. Während die Jüngeren den Älteren vorwerfen, auf ihre Kosten zu leben und ihnen unzumutbare Lasten aufzubürden, halten die Rentner dagegen, dass der heutige Wohlstand ihrer Arbeit zu verdanken sei. Beuten die Alten tatsächlich die Jungen aus? Wie kann ein gerechtes und zukunftsfähiges Generationenkonzept aussehen? Beim 9. Salonstreitgespräch des Roman Herzog Instituts am 13. Mai wurden die Standpunkte beider Generationen ausführlich diskutiert.

Das Thema Gerechtigkeit liege dem  Roman Herzog Institut besonders am Herzen, betonte Gastgeber Professor Randolf Rodenstock in seiner Begrüßungsansprache. Nur wenn Menschen sich in einer Gesellschaft gerecht behandelt fühlten, seien sie auch bereit zur Kooperation – und auf die könne in einer heterogenen Gesellschaft wie der heutigen nicht verzichtet werden.

Eben diese Gerechtigkeit sieht der Jüngste in der Runde der Podiumsteilnehmer, Johannes Gansmeier, aktuell bedroht. „Wir befinden uns in einem Prozess, die zahlreichen und schweren Lasten auf die Schultern weniger abzuwälzen, konkret: auf die Schultern meiner und zukünftiger Generationen“, sagte der 22jährige Student der Politikwissenschaft, Philosophie und Rechtswissenschaft. Den Politikern warf er vor, Klientel-Politik zu betreiben und immer weitere Zugeständnisse gegenüber den Älteren zu machen, die über die Hälfte der Wahlberechtigten in Deutschland ausmachten. Als Beispiele dafür nannte er die abschlagsfreie Rente mit 63 und die Mütterrente. Er appellierte an die Verantwortlichen, nicht zuzulassen, „dass die Jüngeren unter den Lasten begraben werden“.

Gegen Tendenzen, die ältere Generation zum Sündenbock für die „Sozial-Malaise“ zu machen, sprach sich Professor Otto Wulff aus, Mitglied im CDU-Bundesvorstand und Bundesvorsitzender der Senioren-Union der CDU. Die Jungen zeigen sich seiner Ansicht nach an Fragen der Zukunft oft weniger interessiert als die Älteren. Auch würde die veröffentlichte Meinung ungerechtfertigte Ängste schüren: Bis 2025 sei in Deutschland noch nicht mit einem Absinken der Bevölkerungszahlen zu rechnen. In Zukunft komme es vor allem auch darauf an, die Erwerbstätigkeit von Frauen zu fördern. Hier seien bessere Konzepte zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie gefragt.

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Zu mehr Sachlichkeit in der Diskussion mahnte Altbundespräsident Professor Roman Herzog, der Ehrenvorsitzende des Roman Herzog Instituts,  der im Jahr 2008 den Begriff der „Rentnerdemokratie“ geprägt hat. An der aktuellen Gerechtigkeitsdebatte stört ihn die moralische Komponente: Es gehe nicht um Schuldzuweisungen, sondern darum, nüchtern Bilanz zu ziehen und die Probleme anzugehen.

Zahlreiche Diskussionsbeiträge aus dem Plenum zeigten, dass die Generationenfrage  in nahezu allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens  von großem Interesse ist – und  viel Raum lässt für weiteres Nachdenken.

Referenten

Prof. Randolf Rodenstock

Wirtschaft, Ökonomie

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