Preisverleihung Roman Herzog Forschungspreis Soziale Marktwirtschaft am 05. Juli 2016

RHI zeichnet junge Forscher für innovative Konzepte aus.

Der Roman Herzog Forschungspreis Soziale Marktwirtschaft ging in diesem Jahr an drei Nachwuchswissenschaftler für ihre Beiträge zur Weiterentwicklung der Sozialen Marktwirtschaft. 

1. Preis:
Dr. Julian Dörr

Hochschule für Politik München

„Die europäische Kohäsionspolitik - eine ordnungsökonomische Perspektive”

Der erste Platz, der mit einem Preisgeld von 20.000 Euro dotiert ist, ging dieses Jahr an den Diplom-Politologen und -Volkswirt Dr. Julian Dörr. Der in Köln lebende Wissenschaftler mit Wurzeln im mittelfränkischen Erlangen wurde für seine Dissertation „Die europäische Kohäsionspolitik – eine ordnungsökonomische Perspektive” ausgezeichnet. Die Arbeit thematisiert die Regional- und Strukturpolitik der EU, die mittels Förderprogrammen die Verbesserung der wirtschaftlichen Entwicklung der Mitgliedsländer und der Lebensqualität ihrer Bürger anstrebt. Die Dissertation analysiert die Gründe für die geringe Wirksamkeit der Förderung und diskutiert darüber hinaus Ansätze zur Reform der Kohäsionspolitik.

2. Preis:
Dr. Barbara Elisabeth Fulda

Universität zu Köln

„Immer weniger Kinder? Soziale Milieus und regionale Unterschiede der Geburtenzahlen”

Der zweite Platz mit einem Preisgeld von 10.000 Euro ging an die Kölner Volkswirtin und Sozialwissenschaftlerin Dr. Babara Fulda für ihre Dissertation „Immer weniger Kinder? Soziale Milieus und regionale Unterschiede der Geburtenzahlen“. Frau Dr. Fulda schloss 2010 ihr sozialwissenschaftliches Studium mit Auszeichnung an der Universität zu Köln ab und promovierte anschließend am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln. Frau Dr. Fulda analysiert in ihrer vom RHI prämierten Arbeit die Auswirkungen regionaler kultureller Unterschiede auf die Wirksamkeit familienpolitischer Maßnahmen. Sie zeigt, dass soziale und kulturelle Prägungen in einzelnen Regionen Deutschlands zu unterschiedlichen Erfolgen bundesweit einheitlicher familienpolitischen Maßnahmen führen.

3. Preis:
Dr. Britta Gehrke

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

„Policy Evaluation in Macroeconomics: Unemployment, Fiscal Rules, and Exchange Rates”

Volkswirtin Dr. Britta Gehrke belegt den dritten Platz und erhält ein Preisgeld von 5.000 Euro. Ihre Arbeit mit dem Titel „Policy Evaluation in Macroeconomics: Unemployment, Fiscal Rules, and Exchange Rates” nimmt ihren Ausgang in der Finanz- und Wirtschaftskrise von 2008/2009. Sie untersucht die Auswirkungen einer expansiven Fiskalpolitik, um die negativen Auswirkungen der Rezession abzumildern. Besonders im Fokus steht dabei die deutsche Arbeitsmarktpolitik. In ihrer Dissertation zeigt Frau Dr. Gehrke auch, welche Politikmaßnahmen in Krisenzeiten besonders effektiv sind.

Mit ihren Forschungsarbeiten lieferten die Preisträger innovative Lösungsvorschläge, wie aktuelle wirtschaftspolitische Herausforderungen – die strukturelle Krise der EU, die demografische Situation in Deutschland, die Stabilisierung von Beschäftigung – gemeistert werden können.

Am 5. Juli 2016 wurde der Preis überreicht. Die Auszeichnung ist mit einem Preisgeld von insgesamt 35.000 Euro hierzulande eine der höchstdotierten im Bereich der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften und wird von der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. unterstützt und gefördert.

RHI-Vorstandsvorsitzender Randolf Rodenstock bekräftigte die Bedeutung des Roman Herzog Forschungspreises für die Weiterentwicklung der Sozialen Marktwirtschaft: "Wichtiger als das Schwelgen in Traditionen ist es, ordoliberale Prinzipien weiterzudenken. Denn die Soziale Marktwirtschaft spiegelt das wider, was man als Wertegerüst unserer Gesellschaft betrachten kann."

In seinem Festvortrag warnte Hans-Werner Sinn, ehemaliger Präsident des ifo-Instituts, angesichts der demografischen Krise Deutschlands vor Zweckoptimismus. Trotz aller Wertschätzung gegenüber der Sozialen Marktwirtschaft könne sie auf Dauer nur bestehen, wenn sich die Haltung der Politik ändere: "Es muss eine Kurskorrektur stattfinden, die das Rentensystem entlastet".

Den ersten Preis erhielt Julian Dörr. Der Diplom-Politologe und -Volkswirt wurde für seine Dissertation „Die europäische Kohäsionspolitik – eine ordnungsökonomische Perspektive“ ausgezeichnet. Mit seiner Dissertation zeichnete das RHI erstmals eine Arbeit aus, die sich mit Fragen der europäischen Wirtschaftspolitik befasst. Ausgehend von einer kritischen Bestandsaufnahme der aktuellen Regional- und Strukturpolitik der EU entwickelte der Volkswirt und Politologe Dörr Perspektiven für eine ordnungsökonomisch ausgerichtete Kohäsionspolitik. In seiner interdisziplinär angelegten Arbeit zeigt er auf, wie die Zusammenarbeit der EU-Kommission und der Mitgliedstaaten zu entflechten ist, um Fördermittel gerechter zu verteilen und effektiver einzusetzen.

Den zweiten Platz belegte Barbara Fulda, die zurzeit als Postdoctoral Researcher bei der TU Chemnitz tätig ist. Thema ihrer Dissertation ist der Zusammenhang zwischen kulturellen Einflüssen und der Häufigkeit von Geburten. Aus den regional unterschiedlichen Geburtenraten in Deutschland folgert die Wissenschaftlerin, dass lokale Lebensbedingungen und soziokulturelle Leitbilder die Wirksamkeit familienpolitischer Maßnahmen stark beeinflussen. Staatliche Anreize zur Förderung von Familien müssten differenzierter an diese strukturellen Besonderheiten angepasst werden.

Die dritte Preisträgerin Britta Gehrke befasst sich mit der Effizienz unterschiedlicher Maßnahmen zur Stabilisierung der Wirtschaft in Rezessionsphasen. In vier eigenständigen empirischen Studien untersucht die Juniorprofessorin für Makroökonomik und Arbeitsmarktforschung an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg, wie Kurzarbeit, Arbeitszeitkonten, staatliche Fiskalpolitik und flexible Wechselkurse sich auf Beschäftigung und gesamtwirtschaftliche Produktion auswirken.

© Roman Herzog Institut e. V.