RHI verleiht erstmals Roman Herzog Forschungspreis Soziale Marktwirtschaft

So erfolgreich und krisenfest die Soziale Marktwirtschaft ist – sie muss sich dem gesellschaftlichen Wandel anpassen, um sich auch in Zukunft zu bewähren. 

1. Preis:
Dr. Jan Hogrefe

Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Mannheim 

„Income and employment effects of trade and offshoring in modern labor markets”

Die ausgezeichnete Dissertation befasst sich mit den Auswirkungen der Globalisierung auf verschiedene Aspekte des Arbeitsmarktes. Sie zeichnet ein detailliertes Bild einzelner Wirkungskanäle moderner Formen des Außenhandels wie beispielsweise der internationalen Produktionsverlagerung. Sie zeigt dabei wichtige Chancen und Herausforderungen für die Bürger und den Staat in einer Sozialen Marktwirtschaft auf. Insbesondere wird gezeigt, dass gerade der Flexibilität des Arbeitsmarktes im qualifikatorischen wie räumlichen Sinne eine besondere Bedeutung zukommt, die sich bietenden Vorteile einer internationalen Arbeitsteilung auch zu realisieren.

2. Preis:
Dr. Alexander Lorch

Universität St. Gallen

„Vom Ordoliberalismus zum sbstantiellen Liberalismus - Grundlagen einer freiheitlichen Gesellschaft- und Wirtschaftsordnung”

Die Arbeit widmet sich einer kritischen Untersuchung und wirtschaftsethischen Modernisierung der Grundlagen der Sozialen Marktwirtschaft. Sie entwickelt dazu Prinzipien einer modernen Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung und zeigt deren Bedeutung und Auswirkungen anhand ausgewählter ordnungspolitischer Problemfelder in Deutschland auf.

3. Preis:
Prof. Dr. Rupprecht Podszun

Universität Bayreuth

„Wirtschaftsordnung durch Zivilgerichte“

Ausgangspunkte der Arbeit sind die Privatisierung und Deregulierungen, die die europäische Wirtschaft in den vergangenen zwei Jahrzehnten fundamental verändert haben. Herausgearbeitet wird, dass damit auch ein rechtlicher Paradigmenwechsel einhergeht, was der Autor als „Wende zum Privatrecht“ kennzeichnet. Bei der rechtlichen Steuerung der Wirtschaft kommt es immer stärker auf private Initiative und zivilgerichtliche Absicherung an, während die klassische Eingriffsverwaltung an Grenzen stößt. Damit kommt es nun, so der Autor, im Wirtschaftsrecht selbst zu der „spontanen Ordnung“ im Sinne Hayeks

Das Roman Herzog Institut (RHI) prämierte deshalb drei wegweisende Forschungsarbeiten, die sich diesem Thema widmen. Die Auszeichnung ist mit einem Preisgeld von insgesamt 35.000 Euro eine der höchst dotierten in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften.

Der erste Preis ging an Dr. Jan Hogrefe ((ZEW) Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, Mannheim). Seine Promotion beschäftigt sich mit den Auswirkungen der Globalisierung auf den Arbeitsmarkt.

Der zweite Preisträger, Dr. Alexander Lorch (University of California, Berkeley) hat in seiner Dissertation die philosophischen Grundlagen der Sozialen Marktwirtschaft untersucht und ging dabei der Frage nach, inwieweit diese modernisiert werden müssen. Er verfasste seine Arbeit an der Universität St. Gallen.

Prof. Dr. Rupprecht Podszun (Universität Bayreuth) erhielt den dritten Preis. Er analysierte, wie sich Privatisierung und Deregulierung auf die Rechtsprechung in Deutschland auswirken. 

„Die drei jungen Wissenschaftler haben sich kritisch mit der Sozialen Marktwirtschaft und den ordnungspolitischen Fragen unseres Jahrhunderts auseinandergesetzt", so Prof. Rodenstock. "Wissen ist besser als glauben - wir freuen uns, diese klugen Köpfe auszuzeichnen und sie bei ihrer künftigen Forschung unterstützen zu können.“

Den Festvortrag hielt Prof. Lars Feld, einer der fünf deutschen „Wirtschaftsweisen“, Leiter des Walter Eucken Instituts und Professor an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg. „Der deutsche Reformfrühling ist zu Ende gegangen“, warnte Prof. Feld in seinem Vortrag. Deutschland habe begonnen, wichtige Reformen zurückzudrehen, sagte der renommierte Wirtschaftswissenschaftler  und verwies auf das aktuelle Rentenpaket und das Mindestlohngesetz.

Den anschließenden Generationentalk, moderiert von Dr. Dorothea Siems, Chefkorrespondentin für Wirtschaftspolitik der Tageszeitung „Die Welt“, verfolgten die zahlreichen Zuhörer mit Interesse. Kontrovers diskutiert wurde unter anderem die Anpassungsfähigkeit der Sozialen Marktwirtschaft, das Verhältnis von Staat und Wirtschaft und welche Herausforderungen der demografische Wandel an die Wirtschaftssysteme stellt.

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