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Rückblick Verleihung Roman Herzog Forschungspreis Soziale Marktwirtschaft

Ein Update für die Wirtschaftsordnung

Rückblick Roman Herzog Forschungspreis Soziale Marktwirtschaft 2021

Zum achten Mal wurde am 30. Juni der Roman Herzog Forschungspreis Soziale Marktwirtschaft verliehen. In diesem Jahr geht die Auszeichnung an drei junge Wissenschaftler*innen, die sich mit sozialer Wirkungsmessung, kulturellen Faktoren bei Wirtschaftsreformen und der Wirksamkeit von Anreizen befasst haben.

„Die Arbeiten liefern wertvolle Ideen für unser wirtschaftliches und gesellschaftliches Zusammenleben. Sie zeigen, wie wir die Soziale Marktwirtschaft im 21. Jahrhundert gezielt weiterentwickeln können“, sagte RHI-Vorstandsvorsitzender Randolf Rodenstock bei der Veranstaltung im Ehrensaal des Deutschen Museum München.

Lenken oder Lockern?

Um die Aufgabenteilung zwischen Staat und Wirtschaft ging es in der Festrede von Monika Schnitzer, Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Dass die Politik in der Pandemie eine aktive Rolle gespielt hat, sei der Wirtschaft zugutegekommen und habe Vertrauen gefördert. In die Grundlagenforschung zu investieren – wie es sich bei der Entwicklung von Impfstoffen bewährt hat – hält die Expertin für wichtig und richtig. „Eine tragende Rolle des Staates bei der Auswahl von Innovationsstrategien ist jedoch problematisch“, so die Professorin für Volkswirtschaftslehre an der LMU München. Ausdrücklich befürwortet sie ein strengeres Vorgehen gegen Wettbewerbsverzerrungen in der digitalen Wirtschaft. Schließlich rief die Wirtschaftsweise dazu auf, die Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen zu verbessern. „Das Versprechen der Sozialen Marktwirtschaft, Aufstieg durch Bildung zu ermöglichen, wird heute nicht mehr eingelöst.“

Nicht nur materieller Wohlstand zählt

Mit dem ersten Preis und einem Preisgeld 20.000 Euro wird Dr. Gorgi Krlev von der Universität Oxford/Heidelberg ausgezeichnet. Krlev beschäftigt sich mit der Frage, wie sich der soziale, kulturelle und politische Mehrwert messen lässt, den Organisationen für die Gesellschaft schaffen. Sozialer Fortschritt, so seine These, beruht nicht allein auf ökonomischer Produktivität, sondern umfasst auch Verbesserungen in allen anderen Kapitalformen – also etwa Vertrauen, Respekt, Toleranz und Solidarität.

Reformen brauchen eigene Pfade

Der zweite Preis und ein Preisgeld von 10.000 Euro gehen an Dr. Johanna Hochloff von der Universität Siegen. Hochloff zeigt auf, dass nicht nur der ordnungspolitische Rahmen, sondern auch informelle Institutionen von zentraler Bedeutung für das Gelingen wirtschaftspolitischer Reformen sind. Das institutionelle Gefüge jeder Gesellschaft ist historisch gewachsen und kulturell tief verwurzelt. Vernachlässigt man diesen Aspekt, so die Preisträgerin, drohen Wirtschaftsreformen zu scheitern.

Wettbewerb sorgt für bessere Entscheidungen

Den dritten Preis mit einem Preisgeld von 5.000 Euro erhält Dr. Florian Spitzer. Er untersucht mithilfe von ökonomischen Entscheidungsexperimenten, inwiefern sich sozial schädliche Verhaltensweisen durch eine Veränderung der Rahmenbedingungen zum Positiven wenden lassen. Spitzer weist nach, dass Wettbewerb im Gesundheitswesen Überbehandlung reduziert und so zu effizienten Ergebnissen führt. In Kombination mit dem Solidaritätsprinzip der gesetzlichen Krankenversicherung sorgt er zudem für sozialen Ausgleich.

Die integrative Kraft der Sozialen Marktwirtschaft

Für die Zukunft setzt Rodenstock auf die integrative Kraft der Wirtschaftsordnung: „Sie ist ein Bindeglied zwischen den Generationen – zwischen den Älteren, die mit ihr vor allem die wirtschaftliche Erfolgsgeschichte verbinden, und den jungen Menschen, die sich mit der Sozialen Marktwirtschaft im Hinblick auf Zukunftsthemen wie Nachhaltigkeit und Klimaschutz beschäftigen. Meine Hoffnung ist, dass die Soziale Marktwirtschaft das Zusammenwirken der Generationen fördert!“

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Referenten

Prof. Dr. Monika Schnitzer

Wirtschaft, Ökonomie

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Prof. Randolf Rodenstock

Wirtschaft, Ökonomie

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Prof. Dr. Dominik H. Enste

Wirtschaft, Ökonomie, Ethik

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Roman Herzog Institut

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