Festakt

Veranstaltungsrückblick 20 Jahre Roman Herzog Institut

Mit einem bunten Mix aus Vorträgen, Talks und Diskussionsrunden hat das Roman Herzog Institut (RHI) am 25. Mai 2022 sein 20-jähriges Bestehen gefeiert. Die Festveranstaltung im Haus der Bayerischen Wirtschaft bot Anlass zum Rückblick und lieferte in bewährter RHI-Tradition auch zahlreiche zukunftsweisende Denkanstöße für die gesellschaftspolitische Entwicklung in Deutschland.

 

Lieber streiten als Lorbeeren ernten

„Wir wollen uns nicht selber auf einen Sockel stellen, sondern wie bisher über das Gewohnte hinausdenken, diskutieren und streiten. Das gehört zur DNA des Roman Herzog Instituts“, sagte RHI-Vorstandsvorsitzender Randolf Rodenstock. Heute stünden wir vor anderen Herausforderungen als noch bei der Gründung des Thinktanks, als es hierzulande mehr als fünf Millionen Arbeitslose gab. Und damit stellen sich auch neue Forschungsfragen: Wie verändert der Wertewandel in der jungen Generation die Arbeitswelt? Was hat es mit der vielbeschworenen gesellschaftlichen Spaltung auf sich? Welche Lehren ziehen wir aus der Corona-Pandemie? Was muss politische Führung angesichts existenzieller Krisen leisten? Passend zum neuen Profil des Instituts stellte RHI-Geschäftsführer Martin Lang erstmals das RHI-Motto „Werte – Führung – Zukunft“ vor.

 

Im Geist des Gründers

In den Festreden und Grußbotschaften zum Jubiläum wurde auch an die Person und das Wirken von Roman Herzog erinnert. Bundespräsident a. D. Joachim Gauck würdigte die Verdienste seines Vorgängers, der sich nach der Wiedervereinigung Deutschlands für Innovationen und neues Denken in Deutschland starkgemacht hat. „Wahrheit und Klarheit ist stets Herzogs politisches Credo gewesen“, so Gauck. Dass das RHI diesem Anspruch seines Namensgebers bis heute gerecht werde, betonte vbw Präsident Wolfram Hatz in seinem Grußwort. In seinen Publikationen würde das RHI „Fakten benennen, statt Mythen zu bedienen.“ Seit zwei Jahrzehnten gelte für das RHI die Maxime, „nicht die Risiken der Freiheit im Blick zu haben, sondern den Respekt vor ihr“.

 

Von Kant, KI und Kippmomenten

Freiheit beginnt damit, eingefahrene Denkmuster aufzubrechen – was das Institut anlässlich seines Jubiläums erneut unter Beweis stellt. Dass es in unsicheren Zeiten wichtiger sein kann, flexibel und dynamisch zu reagieren, als nach Stabilität zu streben, erläuterte der Ökonom Nils Goldschmidt in seinem Vortrag über gesellschaftliche „Kippmomente“. Auf die Bedeutung von Vertrauen in seinen unterschiedlichen Spielarten – vom kindlichen Urvertrauen bis hin zum Vertrauen in gesellschaftliche Institutionen – ging der Philosoph und Theologe Placidus Heider ausführlich ein. Damian Borth, Experte für Künstliche Intelligenz, schlug den Bogen von menschlicher Ethik hin zum maschinellen Lernen. Dabei schilderte er die vielfältigen Anwendungen von KI, warnte aber auch vor den Missbrauchsmöglichkeiten.

 

Vertrauen braucht mehr als Fakten

Wie der Wissenstransfer aus dem akademischen Elfenbeinturm in die Gesellschaft gelingt, war das Thema der abschließenden Diskussionsrunde. So fühlten sich während der Corona-Pandemie viele Menschen nicht gut informiert und mit ihren Sorgen alleingelassen. Dies habe die Verbreitung von Fake News und Verschwörungstheorien begünstigt. Aufklärung über die Fakten bleibt daher eine der wichtigsten Aufgaben der Wissenschaft. Doch die Menschen bräuchten noch mehr: Sie müssten auf Augenhöhe angesprochen und ernst genommen werden, stellte die Runde fest. Es gehöre zur Verantwortung von Wissenschaftlerinnen und Forschern, im Dialog mit der Öffentlichkeit zu bleiben. „Dieser Verantwortung möchte sich das RHI auch in den nächsten 20 Jahren gern stellen“, versprach Randolf Rodenstock zum Abschluss der Veranstaltung.

 

Mediathek
Referenten

Prof. Dr. Damian Borth

Weitere Wissensbereiche

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Prof. Dr. Nils Goldschmidt

Ökonomie

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Prof. Dr. Michael John Gorman

Life Sciences, Umweltwissenschaften

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Prof. Randolf Rodenstock

Wirtschaft, Ökonomie

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Prof. Dr. Neşe Sevsay-Tegethoff

Ökonomie, Soziologie, Ethik

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