Expertenworkshop

Expertenworkshop "Freiheit anders denken"

Welchen Stellenwert hat Freiheit in Deutschland? Gibt es eher zu viel oder zu wenig davon? Welche Trends zeichnen sich ab? Zehn Experten aus unterschiedlichen Fachrichtungen waren der Einladung des Roman Herzog Instituts gefolgt, um ihre Ansichten zum Thema Freiheit vorzustellen und neue Perspektiven zu entwickeln. Der Workshop mit Fachleuten aus Ökonomie, Soziologie, Philosophie, des Staatsrechts, der Neurowissenschaft und der Kunst bildete den Auftakt zum neuen RHI-Schwerpunkt. Gastgeber Prof. Randolf Rodenstock unterstrich in seiner Begrüßung die Aktualität des Themas. Im Hinblick auf die Gestaltung der Arbeitswelt von morgen sei „der neue soziale Gedanke mit dem Gedanken der Freiheit eng verbunden“.

In unserer Gesellschaft scheint Freiheit im Übermaß vorhanden zu sein. Gerade deshalb ist der Wert der Freiheit vielen nicht mehr bewusst – anders als etwa in totalitären Systemen, in denen Menschen täglich Einschränkungen ihrer persönlichen Freiheit erfahren. Dadurch schwinden bei uns aber auch Aufmerksamkeit und Sensibilität gegenüber Tendenzen, die zur Einschränkung der Freiheit führen.

Solche Entwicklungen sind in allen Bereichen des öffentlichen Lebens spürbar: In der Wirtschaft schränken sie als erdrückende Fülle von Regulierungen die Unternehmen ein und lähmen deren Innovationskraft. Im Bildungssektor werden die Ausbildungsangebote auf solche verengt, die am Mainstream ausgerichtet sind und den Wissenserwerb vor Kreativität stellen. In der Politik droht der Diskurs angesichts vermeintlicher Alternativlosigkeit zu erlahmen.

Wie frei sind wir als Mitglieder einer multioptionalen Gesellschaft wirklich? Wie erleben und nutzen wir unsere Freiheit? Welche Vorstellung von Freiheit legen wir zugrunde, wenn wir auf andere politische Systeme blicken? Wie verändert sich unser Freiheitsbegriff vor dem Hintergrund der Globalisierung?

Freiheit, so der Tenor der kontrovers geführten Debatten, ist ein ambivalenter Begriff. Er ist einerseits definiert durch das Fehlen innerer und äußerer Zwänge, beinhaltet andererseits aber auch die Verpflichtung, selbstverantwortlich zu handeln. Für viele Menschen ist Freiheit mit Angst behaftet – Angst vor Unsicherheit, vor Kontrollverlust und vor Veränderungen mit ungewissem Ausgang. Wie lassen sich legitime Sicherheitsbedürfnisse und Freiheit miteinander vereinbaren?

Um solche und ähnliche Fragen drehte sich die intensive Diskussion in den sich mehrfach neu formierenden Arbeitsgruppen. Am Ende der Veranstaltung zeigten sich die Teilnehmer angenehm überrascht über die Vielfalt an Ergebnissen, die der interdisziplinäre Austausch gebracht hatte. Für das RHI liefert der Workshop zahlreiche Denkanstöße, die es in der nächsten Zeit aufgreifen und vertiefen wird.

Referenten

Prof. Dr. Rolf Gröschner

Recht, Psychologie, Wirtschaft

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Prof. Dr. Tatjana Schönwälder-Kuntze

Philosophie, Ethik, Weitere Wissensbereiche

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Dr. Steffen J. Roth

Wirtschaft, Ökonomie, Ethik, Politik, Gesellschaft

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Prof. Dr. phil. Dr. rer. pol. Karl Homann

Ökonomie, Theologie, Wirtschaft

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Prof. Dr. Dr. h.c. Stefan Hradil

Soziologie

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