Symposium

13. Fachsymposium: „X, Y, Z — Neue Generationen, neue Werte, neue Gesellschaft?“

Aktuell verändern sich die Einstellungen der Jugend zu Politik und Wirtschaft, Arbeit und Ausbildung, Familie und Freizeit rasant. Die kürzlich erschienene Shell-Studie hat den jungen Menschen zwischen 12 und 25 Jahren das Attribut „Generation im Aufbruch“ gegeben. Die Richtung dieses Aufbruchs ist jedoch noch ungewiss: Gibt es wirklich Anzeichen für einen tiefgreifenden gesellschaftlichen Werte-wandel? Wie soll das Zusammenleben der Generationen in Zukunft aussehen? Und wie können sich die Unternehmen auf die jungen Arbeitnehmer einstellen? Solche und ähnliche Fragen standen im Mit-telpunkt des 13. Fachsymposiums des Roman Herzog Instituts „X, Y, Z – Neue Generationen, neue Werte, neue Gesellschaft“.

„Die Unternehmen sehen sich in der Lage, mit einer wie auch immer gearteten jungen Generation umzugehen“ – Randolf Rodenstock, Vorstandsvorsitzender des Roman Herzog Instituts gibt sich zu-versichtlich, was die künftigen Herausforderungen für die deutschen Arbeitgeber im Umgang mit den jungen Arbeitnehmern betrifft. Christian Scholz, Direktor des Europa-Instituts an der Universität des Saarlandes, sieht die Integration der jungen Generation in die Arbeitswelt etwas kritischer. Sie bringe ein neues Verständnis von Führung mit in die Arbeitswelt, stelle Autoritäten infrage und zeige nicht – wie frühere Generationen – lebenslange Loyalität zu einem Arbeitgeber. Bestätigt wird er in dieser An-sicht von Jutta Rump, Direktorin des Instituts für Beschäftigung und Employability an der Hochschule Ludwigshafen. Sie bescheinigt der Generation Z, den nach 1990 Geborenen, eine hohe Leistungs-bereitschaft, jedoch mit der Einschränkung, dass sie Sinn, Freude und Wertschätzung in ihrer Arbeit fordert. Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln, hält die Suche nach Sinn und Bestätigung für eine Folge der zunehmenden persönlichen Freiheit des Einzelnen. Diese erlaubt einerseits, sich zwischen verschiedenen Lebensentwürfen zu entscheiden, bringt andererseits aber auch Unsicherheit mit sich.

Einen authentischen Einblick in die Denkweise der Generation Z gab der Autor und Blogger Philipp Riederle. Er führte dem Publikum die Unterschiede zwischen seiner Generation, den Digital Natives, und den Älteren, den sogenannten Digital Immigrants, unterhaltsam vor Augen. Doch nicht nur die digitale Revolution hat die Lebenswelt und den Erfahrungshorizont der jungen Generation verändert, sondern auch die sich wandelnden ökonomischen Bedingungen: Die nach 1990 Geborenen werden – wie keine Generation vor ihnen – vom Wohlstand der Nachkriegsgesellschaft profitieren, von der sie in den nächsten Jahren Vermögenswerte in Milliardenhöhe erben wird. Ob und inwieweit sich daraus ge-sellschaftliche Verpflichtungen ergeben, wurde in einer gemischt besetzten Diskussionsrunde ausführ-lich erörtert.

Was die Unterschiede zwischen den Generationen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt bedeuten, war Thema der abschließenden Gesprächsrunde mit Altbundespräsident Roman Herzog und Dagmar Schipanski, ehemalige Präsidentin des Thüringer Landtags und Rektorin des Studienkollegs Berlin. Auch mit Blick auf die derzeit starke Zuwanderung von Menschen aus anderen Kulturkreisen brauche man eine Antwort auf die Frage, wie viel Heterogenität unsere Gesellschaft verträgt. Ihr einhelliges Ur-teil: In der Vielfalt von Wertvorstellungen liegt eine große Chance – wenn es verbindliche Regeln für alle gibt.

Referenten

Prof. Randolf Rodenstock

Wirtschaft, Ökonomie

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