Veranstaltung

Rückblick Preisverleihung

Roman Herzog Forschungspreis 2019

Marktwirtschaft abseits des Mainstreams
Ein Nachwuchswissenschaftler und zwei Nachwuchswissenschaftlerinnen erhalten in diesem Jahr den Roman Herzog Forschungspreis Soziale Marktwirtschaft. Die Preisträger befassen sich in ihren Forschungsarbeiten mit den Themen Offshoring, gemeinschaftsbasierte Geschäftsmodelle und verantwortungsbewusste Unternehmens- und Markenführung. Besonders in Zeiten politischer und wirtschaftlicher Umbrüche komme es darauf an, die Flexibilität und Innovationsfähigkeit der Sozialen Marktwirtschaft zu verdeutlichen, betonte der RHI-Vorstandsvorsitzende Prof. Randolf Rodenstock bei der Preisverleihung am 21. Mai 2019: „Die prämierten Arbeiten zeigen, dass unsere Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung keine historische Idee ist, sondern Perspektiven für die Zukunft bietet.“

Wohlergehen wichtiger als Wohlstand
Von einer „Zeitenwende“ für die Soziale Marktwirtschaft sprach Reinhard Kardinal Marx, Erzbischof von München und Freising, in seiner Festrede. Er mahnte, die Unruhe und Unzufriedenheit in Teilen der Bevölkerung ernst zu nehmen und rief dazu auf, mithilfe der Sozialen Marktwirtschaft eine neue Fortschrittsidee in Gang zu bringen. Ziel unserer Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung müsse sein, ein gutes Leben für alle zu ermöglichen. Die Formel „Wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht“, reiche dafür nicht aus. Zu einer menschendienlichen Ordnung gehöre neben materieller Sicherheit auch die Solidarität. „Das Motto der Sozialen Marktwirtschaft sollte heute nicht mehr ‚Wohlstand für alle‘, sondern ‚Chancen für alle‘ lauten“, sagte der Kardinal.

Einträgliches Auslagern
Mit dem ersten Preis wurde in diesem Jahr Peter Sebastian Eppinger ausgezeichnet, der als Postdoktorand an der Universität Tübingen tätig ist. In seiner Dissertation „Essays in International Trade and Global Production“ untersucht er, wie Unternehmen durch gezielte Investitionen die Chancen der Globalisierung für sich nutzen können. Der Ökonom weist empirisch nach, dass deutsche Unternehmen in den Jahren 2001 bis 2013 durch die Verlagerung von Dienstleistungen ins Ausland ihre Kosten senken und zugleich neue Arbeitsplätze im Inland schaffen konnten. Deswegen plädiert der Erstplatzierte dafür, den EU-Binnenmarkt weiter auszubauen und Barrieren im Dienstleistungshandel mit Nicht-EU-Staaten zu beseitigen

Betroffene zu Beteiligten machen
Wie gemeinschaftsbasierte Unternehmen dazu beitragen können, Probleme auf regionaler oder lokaler Ebene zu lösen, zeigt die zweite Preisträgerin Christina J. Hertel in ihrer Dissertation „Community Entrepreneurship: Toward a Legitimate Research Domain“. Kollektive Unternehmensgründungen könnten vor allem in strukturschwachen Gebieten positive ökonomische, soziale und ökologische Effekte erzielen, lautet die These der Expertin für Technologie-Management, die zurzeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL) arbeitet. Ihr zufolge helfen solche Geschäftsmodelle, die regionale Wirtschaft zu stärken, die Infrastruktur zu verbessern und Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.

Mehrwert durch mehr Werte
Der dritte Preis geht an Susanne Veldung für ihre Dissertation „Conscious Capitalism – Verantwortungsbewusste Unternehmens- und Markenführung“. Die Betriebswirtin arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für BWL und Marketing der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. In ihrer Arbeit untersucht sie, wie sich das soziale und das ökologische Engagement von Unternehmen auf deren Wettbewerbsfähigkeit auswirken. Am Beispiel verschiedener Firmen der Lebensmittelbranche weist die Preisträgerin nach, dass eine verantwortungsbewusste Unternehmens- und Markenführung die Zufriedenheit, das Vertrauen und die Loyalität der Kunden positiv beeinflusst und den ökonomischen Erfolg steigert.

Zwischen Purpose und Profit
Um die Zukunft der Sozialen Marktwirtschaft ging es beim Generationentalk, den die Wirtschaftsjournalistin Dr. Ursula Weidenfeld moderierte. Die Preisträger plädierten dafür, die positiven Seiten der Wirtschaftsordnung – vor allem ihr Wesen als Wertesystem – deutlicher zu kommunizieren. In ihrer Generation herrsche großes Interesse an Ethik- und Nachhaltigkeitsfragen – das sei ein Potenzial, um die Soziale Marktwirtschaft mit innovativen Denkansätzen zu beleben. „Die Soziale Marktwirtschaft ist kein eiskaltes ökonomisches Konzept, sondern eine regulative Idee, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt“, betonte auch Rodenstock in seinem Schlusswort. „Bei keiner Preisverleihung standen soziale Fragen unserer Wirtschaftsordnung so sehr im Mittelpunkt wie diesmal.“ Bereits jetzt lud er Nachwuchswissenschaftler ein, sich an der Ausschreibung für den Forschungspreis 2020 zu beteiligen.

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