Expertenworkshop

„Expertenworkshop Die Generation von morgen“

Um die Generation von morgen, ihre Einstellung zum Leben und zur Arbeitswelt, ging es beim diesjährigen Experten-Workshop des Roman Herzog Instituts. Was ist kennzeichnend für die sogenannte Generation Y? Welche Prägungen hat sie erfahren, welche Vorstellungen bringt sie mit in ihr Berufsleben? Wie wird das Zusammenleben der Generationen künftig aussehen? Über diese und ähnliche Fragen diskutierten acht Fachleute aus Wirtschaft und Wissenschaft  auf der Eröffnungsveranstaltung zum neuen Themenschwerpunkt  des RHI.

„Die junge Generation ist ein Seismograph für gesellschaftliche Veränderungen“, betonte RHI-Geschäftsführerin Dr. Nese Sevsay-Tegethoff zu Beginn der Veranstaltung und unterstrich damit die Brisanz des Themas. Was diese Generation ausmache und sie von früheren unterscheide, sei als Ausdruck von gesellschaftspolitischem Wandel zu werten. Digitalisierung und Globalisierung haben das Bewusstsein dieser Generation geprägt. Sie ist weltweit vernetzt und verfügt über nahezu unbegrenzten Zugang zu Informationen, muss um ihre Position am Arbeitsmarkt nicht kämpfen. Arbeit und Leistung werden von ihr eher als Mittel zur Selbstverwirklichung als zum sozialen Aufstieg gesehen. Der Wohlfühlfaktor ist entscheidend für das Verhältnis der jungen Arbeitnehmer zum Beruf: Da sie den demografischen Vorteil auf ihrer Seite haben, schwindet der Anpassungsdruck mehr und mehr. Demgegenüber sind die Arbeitgeber gefordert, mit flexiblen und individuellen Lösungen auf die veränderten Anforderungen zu reagieren: Modelle, die mehr Partizipation sowie die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie ermöglichen, werden künftig gefragt sein, will man die besten Köpfe für sein Unternehmen gewinnen.

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Immer wieder wurde in der Diskussion aber auch deutlich, dass Verallgemeinerungen mit Vorsicht zu genießen sind. Die heutigen jungen Erwachsenen mit dem Etikett „Generation …“ zu versehen, sei der Versuch, Komplexität zu reduzieren und traditionelle Deutungsmuster auf sie anzuwenden. Tatsächlich sei diese Generation sehr heterogen in Bezug auf ihre Bildungsvoraussetzungen, ihr Lebensgefühl und ihre Gewohnheiten. Zwar ist ein Bedürfnis nach Orientierung und Stabilität unzweifelhaft vorhanden, fraglich bleibt aber, in wieweit man sich über die Zugehörigkeit zu „seiner“ Generation definiere und ob ein solches Wir-Gefühl möglicherweise sogar nationenübergreifend existiere.

Der rege und offene Austausch in den wechselnden Gesprächsrunden wurde von allen Teilnehmern einhellig gelobt. Man war sich darin einig, dass die drängenden Fragen im Zusammenhang mit der Generation von morgen noch weiter verfolgt werden müssen – vor allem mit Hilfe empirisch gesicherter Daten. 

© Roman Herzog Institut e. V.