Wie Kriege enden: Historische Perspektiven
„Wie ein Krieg endet, hängt davon ab, um was für eine Art Krieg es sich handelt.“
Mit dieser Kernaussage eröffnete Prof. Dr. Jörn Leonhard die Veranstaltung „Wie Kriege enden“ aus der Reihe Forum WissensHintergründe. Der Leibniz-Preisträger und Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Freiburg war auf Einladung des Roman Herzog Instituts (RHI) zu Gast, um historische Muster der Kriegsbeendigung zu analysieren. RHI-Vorstandsvorsitzender Randolf Rodenstock begrüßte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer; durch den Abend führten Dr. Martin Lang und Tina Maier-Schneider. Die Veranstaltung fand am 14. Februar 2026 parallel zur Münchner Sicherheitskonferenz statt.
Leonhard eröffnete seinen Vortrag mit Clausewitz: Krieg ist kein statisches Phänomen, sondern ein „Chamäleon“, das seine Natur im Verlauf verändert. Jeder große Konflikt sei eine Überlagerung verschiedener Kriegstypen – Religionskrieg, Staatenkrieg, Medienkrieg. Friedensmacher müssten diese Vielschichtigkeit verstehen, um tragfähige Abkommen aushandeln zu können.
Am Beispiel des Nahen Ostens verdeutlichte Leonhard die Langzeitwirkungen kolonialer Grenzziehungen: Das Sykes-Picot-Abkommen von 1916 habe multiethnische Gesellschaften in homogen gedachte Nationalstaaten gepresst und damit Konflikte vorprogrammiert, die bis zum Aufstieg des Islamischen Staats reichen. Der Umgang mit Minderheiten, Bevölkerungsaustauschen und dem Spannungsverhältnis zwischen imperialer Ordnung und nationalstaatlichem Anspruch zog sich als roter Faden durch die Diskussion.
Für die Ukraine betonte Leonhard die geostrategische Bedeutung von Territorium, Ressourcen und Häfen für Russland. Der Krieg sei zugleich ein postimperialer Konflikt, ein Prozess ukrainischen Nation-Buildings und ein globaler Energiekrieg – geführt mit Panzern des 20. und Drohnen des 21. Jahrhunderts. Diplomatische Kommunikationskanäle, sogenannte Back-Channel-Diplomacy und Personalvertrauen zwischen Akteuren seien auch in festgefahrenen Konflikten unverzichtbar, wie die Geschichte von SALT I bis zum Wiener Kongress zeige.
Das vollständige Gespräch ist als Video abrufbar.
Frieden ist kein Moment, in dem Männer um einen Tisch sitzen, einen Vertrag unterzeichnen und sich anschließend die Hände geben, sondern ein komplizierter und widersprüchlicher Prozess.
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