Rückblick Preisverleihung

Roman Herzog Forschungspreis 2018

Ausgezeichnet!

Der „Roman Herzog Forschungspreis Soziale Marktwirtschaft“ wird in diesem Jahr erstmals an vier Nachwuchswissenschaftler vergeben. Sie haben zukunftsweisende Ideen entwickelt, wie die Soziale Marktwirtschaft an die Herausforderungen durch Globalisierung und Digitalisierung angepasst werden kann. Der in diesem Jahr mit 40.000 Euro dotierte Preis wurde am 19. Juni 2018 überreicht.

„Mit dem Forschungspreis wollen wir gezielt junge Forscher auszeichnen, die mit einem frischen Blick auf unsere Wirtschaftsordnung schauen und sie weiterentwickeln“, sagte RHI-Vorstandsvorsitzender Randolf Rodenstock. Die Soziale Marktwirtschaft sei seit ihrer Einführung vor 70 Jahren ein Erfolgsmodell, müsse jedoch immer wieder nachjustiert werden.

 

Die preisgekrönten Forschungsarbeiten

Tragfähigkeit der Staatsverschuldung
Den ersten Preis erhält der Volkswirt Heiko T. Burret, Forschungsreferent am Walter-Eucken-Institut in Freiburg. In seiner Dissertation untersucht er die Tragfähigkeit der Staatsfinanzen. Er weist nach, dass die Finanzverfassung in Deutschland die hohe Verschuldung der öffentlichen Haushalte begünstigt hat. Nötig seien Fiskalregeln, die mehr Anreize zum Sparen geben. Die neue Schuldenbremse, die ab 2020 die Nettokreditaufnahme sehr stark einschränkt, hält er für ein wirksames Instrument zur Haushaltskonsolidierung. Sein Fazit: Solide Staatsfinanzen sichern langfristig die Funktions- und Leistungsfähigkeit der marktwirtschaftlichen Ordnung.

Aufdeckung von Kartellen
Mit wettbewerbsökonomischen Fragen beschäftigt sich der zweite Preisträger Korbinian von Blanckenburg. Der Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Ostwestfalen-Lippe untersucht in seiner Habilitation, wie Kartelle aufgedeckt und unterbunden werden können. Dabei beschäftigt sich der Ökonom auch mit der aktuellen Situation auf digitalen Märkten und analysiert, inwieweit Anbieter wie Google oder Ebay ihre marktbeherrschende Position missbrauchen. Schwerpunkt seiner Arbeit sind Indikatoren und neue Verfahren, die dabei helfen, den rechtlichen Rahmen für funktionierenden Wettbewerb zu stärken.

Nachhaltigkeitskonzepte von Unternehmen
Den dritten Preis erhält Laura Marie Edinger-Schons, Professorin für Corporate Social Responsibility an der Universität Mannheim. In ihrer Habilitationsschrift zu CSR-Strategien von Unternehmen hat sie empirisch untersucht, wie Firmen in Bezug auf ihre soziale Verantwortung wahrgenommen werden. Dabei zeigt sich, dass Kunden und Mitarbeiter „Greenwashing-Taktiken“ sehr kritisch sehen. Wichtiger ist ihnen die substanzielle Veränderung von Wertschöpfungsketten hin zu mehr Nachhaltigkeit, Transparenz und Gerechtigkeit. Daraus leitet die Sozialwissenschaftlerin Handlungsempfehlungen für Firmen ab, um ihr Stakeholder-Management zu verbessern.

Digitalisierung und faire Besteuerung
Mehr Steuergerechtigkeit unter digitalen Bedingungen ist das Thema von Marta Castelon, die für ihre Dissertation ebenfalls mit einem dritten Preis ausgezeichnet wurde. Digitale Dienstleister können heute weltweit agieren, ohne überall vor Ort mit Fabriken oder Büros präsent zu sein. Dadurch werden sie nach geltendem Recht gegenüber lokalen Steuerzahlern bevorzugt. In ihrer Dissertation empfiehlt die Juristin eine Reform der Besteuerung digitaler Dienstleistungen gemäß einer Richtlinie der Europäischen Kommission. Danach sollen wirtschaftliche Faktoren einer Firma entscheidend sein für die Besteuerung, und nicht deren physische Präsenz.

Konzepte konsequent anwenden
Wie ein Ordnungsrahmen für den digitalen Arbeitsmarkt aussehen kann, war das Thema des Festvortrags von Christoph M. Schmidt, Präsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung und Vorsitzender des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung („Fünf Wirtschaftsweisen“). Er skizzierte die Wechselwirkungen zwischen demografischem Wandel, den strukturellen Veränderungen der Arbeitswelt und wirtschaftlichem Wachstum. Die künftigen Herausforderungen seien zu meistern, wenn man die Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft konsequent anwende und nicht in Frage stelle.

Wir stellen Ihnen die Preisträger und Ihre Arbeiten im Video vor. 

 

Neue Ausschreibung beginnt
Beim anschließenden Generationentalk, der von dem Wirtschaftsjournalisten Marc Beise moderiert wurde, konnten die Preisträger mit Experten über aktuelle Fragen diskutieren. Dabei ging es um Regeln für den globalen Wettbewerb und um unterschiedliche Möglichkeiten, den Produktivitätszuwachs durch die Digitalisierung künftig zu verteilen. „Es ist deutlich geworden, wie viele Fragen zur Sozialen Marktwirtschaft noch offen sind“, sagte Gastgeber Rodenstock in seinem Schlusswort. Bereits jetzt lud er Nachwuchswissenschaftler ein, sich an der Ausschreibung für den Forschungspreis 2019 zu beteiligen.

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