Fachsymposium

16. Fachsymposium des Roman Herzog Instituts - Perspektive Deutschland: Zwischen Mythen und Chancen Zukunft gestalten

Automatisierung, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz – die Arbeitswelt befindet sich im Umbruch. Über die Auswirkungen des technologischen Fortschritts ist eine gesellschaftliche Debatte entbrannt, in der Unsicherheit und Skepsis überwiegen. Beim 16. Jahressymposium des Roman Herzog Instituts (RHI) wurde der Blick vor allem auf die Chancen für den gesellschaftlichen Wandel gerichtet.

Die Unternehmen erhoffen sich von der Künstlichen Intelligenz (KI) einen enormen Produktivitätszuwachs. Gleichzeitig sorgen sich viele Arbeitnehmer, dass sie durch Roboter überflüssig werden. Prof. Dr. Damian Borth, Leiter des Chair in Artificial Intelligence & Machine Learning der Universität St. Gallen, veranschaulichte die Möglichkeiten und Grenzen von KI. Seiner Ansicht nach brauchen wir uns vor KI nicht zu fürchten – im Gegenteil: Ohne sie gäbe es schon heute viele hilfreiche Entwicklungen wie etwa den Airbag nicht.

Im Eröffnungstalk kamen der RHI-Vorstandsvorsitzende Randolf Rodenstock und Damian Borth auf grundlegende gesellschaftspolitischen Fragen zu sprechen: Welche Regeln braucht die digitale Wirtschaft? Kann Deutschland mit der internationalen KI-Forschung und -Entwicklung Schritt halten? Wie können Unternehmen KI für sich nutzen?

Während der technologische Wandel rasant fortschreitet, kommt es im Berufsleben immer mehr auf Soft Skills an. So lautet die These von Christiane Funken, Professorin für Kommunikations- und Mediensoziologie und Geschlechterforschung an der Technischen Universität Berlin. Ihr zufolge werden Kooperations- und Kommunikationsfähigkeit künftig stark gefragt sein, was vor allem die beruflichen Perspektiven von Frauen verbessert.

Wie Arbeit mithilfe von „New Work“ neu organisiert werden kann, erläuterte Lars Attmer, Autor und Unternehmensberater bei Detecon International. Anhand von Praxisbeispielen zeigte er, wie Unternehmen sich mit diesem Konzept kundenorientierter, kreativer und innovativer aufstellen können.

Um Trends und Stimmungen in der Mittelschicht ging es im letzten Teil der Veranstaltung. Holger Lengfeld, Professor für Soziologie an der Universität Leipzig, widerlegte anhand empirischer Daten den Mythos von der „abstiegsbedrohten“ Mitte. Trotz stabiler finanzieller Lage sorgt sich jedoch rund ein Drittel der Mittelschicht um die Zukunft. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle RHI-Publikation „Die gespaltene Mitte – Werte, Einstellungen und Sorgen“, die auf dem Symposium vorgestellt wurde. Einig war sich die Expertenrunde – bestehend aus der Ökonomin Judith Niehues vom Institut der deutschen Wirtschaft und den Soziologen Holger Lengfeld und Stefan Hradil –, dass die gegenwärtige Identitätskrise der Mittelschicht zu politischen Verwerfungen führen kann.

„Wir als RHI wollen das Wechselspiel zwischen technischem Wandel und gesellschaftlicher Entwicklung auch weiterhin wissenschaftlich verfolgen“, kündigte Randolf Rodenstock in seinem Ausblick an. „Denn nur Wissen hilft gegen diffuse Ängste.“

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Referenten

Lars Attmer

Wirtschaft

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Prof. Dr. Damian Borth

Weitere Wissensbereiche

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Prof. Dr. Christiane Funken

Psychologie, Soziologie, Politik, Pädagogik

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Prof. Dr. Dr. h.c. Stefan Hradil

Soziologie

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Prof. Dr. Holger Lengfeld

Wirtschaft, Soziologie

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Dr. Judith Niehues

Wirtschaft, Soziologie

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Prof. Randolf Rodenstock

Wirtschaft, Ökonomie

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