4. Salonstreitgepräch am 29. April 2010: Zwischen Gewinn und Gewissen - wie viel Nächstenliebe kann sich die Soziale Marktwirtschaft leisten?
"Was Unternehmer tun ist gut."
Im Rahmen des 4. Salonstreitgesprächs griff das RHI die von den beiden Kirchen veröffentlichten Schriften - die päpstliche Sozialenzyklika und die EKD-Unternehmerdenkschrift - auf und vertiefte wirtschaftsethische Fragestellungen im interreligiösen Dialog - eine bislang kaum gesichtete und zukunftsweisende Aufgabe.
Unter der Moderation von Randolf Rodenstock diskutierten Prof. Dr. Dr. h. c. Wolfgang Huber (Theologe, ehemals Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland und Bischof), Weihbischof Dr. Bernd Uhl (Erzdiözese Freiburg, Mitglied der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen der Deutschen Bischofskonferenz) und Professor Dr. Nils Goldschmidt (Vertretungsprofessur für Sozialpolitik und Organisation Sozialer Dienstleistungen, Universität der Bundeswehr München) das Verhältnis von Gewinn und Gewissen und die Frage: Wie viel Nächstenliebe verträgt die Soziale Marktwirtschaft?
Professor Huber und Weihbischof Uhl entließen die zur Veranstaltung eingeladenen 65 Multiplikatoren aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Kirche mit einer unerwarteten "frohen Botschaft" in ihren Alltag. Eine zentrale Aussage war: "Wer als Unternehmer erfolgreich wirtschaftet, tut etwas Gutes für die Gesellschaft". Gewinn und Erfolg sind der berechtigte Ausdruck für die Selbstliebe, die fälschlicherweise vielfach mit Egoismus gleichgesetzt wird. Selbstliebe, Nächstenliebe und Gottesliebe sind vielmehr, so Professor Huber, die untrennbar verbundene Trias des Gebots der Nächstenliebe.
Voraussetzung für die Akzeptanz von Gewinnen ist jedoch sowohl das regelgerechte, als auch das moralische Handeln der Unternehmer und Manager. Professor Goldschmidt wies jedoch darauf hin, dass dabei nicht gegen die Eigenlogik der Martwirtschaft agiert werden kann. Deshalb sind vom Staat allgemeingültige Regeln festzulegen, die allen die gleichen moralischen Pflichten auferlegen. Ein christlicher Unternehmer geht jedoch darüber hinaus und bringt seinen Mitarbeitern Wertschätzung und Anerkennung entgegen. Weihbischof Uhl betonte, dass vor allem Transparenz, Ehrlichkeit und Glaubwürdigkeit eine Vertrauensbasis schaffen, die gerade in Krisenzeiten unvermeidbare Entscheidungen leichter vermitteln lässt.
Die Publikation zu dieser Veranstaltung werden Sie in Kürze hier finden.
Veranstaltungsvideo
Zwischen Gewinn und Gewissen - wie viel Nächstenliebe kann sich die Soziale Marktwirtschaft leisten?
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